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Spurensuche II: Strecken-Verlegungen  
   
Als Alternative zum Individualverkehr sollte an Rhein und Ruhr ein Netz schneller, vom Straßenverkehr getrennter Stadtbahnlinien entstehen. Mit dem Ausbau zur Stadtbahnstrecke oder zumindest zum Stadtbahn-Vorlaufbetrieb wurden die entsprechenden Streckenabschnitte des Mülheimer Straßenbahnnetzes stillgelegt oder zur Betriebsstrecke umgewandelt.
Die Suche nach Spuren dieser Strecken ist recht erfolgreich. Weniges ist komplett verschwunden, einiges taucht unter wegbröckelndem Asphalt langsam wieder auf und manche der jüngst stillgelegten Abschnitte wirken auf den ersten Blick scheinbar unversehrt.
Hauptbahnhof - Heißen Kirche - Stadtgrenze Essen
Als Modellstrecke für das vorgesehene Stadtbahnnetz wurde die U18 zwischen Mülheim Hbf und Essen Hbf gebaut. Die bis dahin in dieser Relation verlaufende Straßenbahnlinie 8/18 wurde entsprechend abschnittweise stillgelegt. Zuerst am 06.04.1974 zwischen Heißen Kirche und Stadtgrenze Essen mit Bus-Ersatzverkehr bis zur Eröffnung der U18 am 28.05.1977. Der Abschnitt Heißen Kirche - Mülheim Hbf wurde schließlich am 03.11.1979 ebenfalls umgestellt; die Straßenbahn endete danach im heutigen Busbahnhof am Hauptbahnhof.
Der Streckenabschnitt von Heißen Kirche nach Essen verläuft auf der ehemaligen Straßenbahntrasse. Im oberen Bereich der Hingbergstraße wurde der Stadtbahntunnel in offener Bauweise unter der Straße erbaut. Von der früheren Straßenbahnstrecke blieb hier nichts übrig. Einige Gleisreste, die im unteren Bereich der Hingbergstraße wieder im Asphalt auftauchen sind heute die letzten Zeugen dieser einst bedeutenden Linie.
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Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Kaiserplatz - Buchenberg
Der stadtbahnmäßige Ausbau der heutigen Straßenbahnlinie 102 erfolgte in mehreren Schritten, die jeweils Änderungen der Linienwege mit sich brachten. Den Anfang machte die Linie 108, die seit dem 16.10.1983 über die neuerbaute Strecke in der Bahnstraße den U-Bahnhof Mülheim Hbf anfuhr.
Nächster Schritt war die Eröffnung der Tunnelstrecke Hauptbahnhof - Buchenberg am 27.04.1985. Mit diesem Tag wurde aus der Linie 108 und dem Abschnitt Hauptbahnhof - Oberdümpten der Linie 112 die neue Linie 102 gebildet. Die Linie 112 verkehrte danach erst zum Betriebshof und seit dem 01.06.1986 zur umgebauten Haltestelle Kaiserplatz.
Mit der Verkürzung der Linie 112 wurde der oberirdische Abschnitt Kaiserplatz - Buchenberg stillgelegt und abgebaut. Mit der folgenden Umgestaltung der Eppinghofer Straße wurden die Gleisanlagen weitestgehend entfernt. Lediglich am Hauptbahnhof verblieben bis heute Gleisreste in der Fahrbahn.
Rathausmarkt - Hauptbahnhof
Wie bereits im vorigen Abschnitt beschrieben, entstand 1983 ein neuer Streckenabschnitt durch die Bahnstraße zwischen Rathausmarkt und Hauptbahnhof. Dieser war von vornherein nur als Übergangslösung bis zur Eröffnung des Ruhrtunnels gedacht und wurde mit dessen Eröffnung 1999 nach nur 16 Jahren wieder stillgelegt.
Bemerkenswert scheint noch, dass damit bereits zum zweiten Mal eine Strecke durch die Bahnstraße stillgelegt wurde. Dort verlief seit Eröffnung der Mülheimer Straßenbahn der Streckenzweig nach Heißen, der zum Ende der  50er Jahren stillgelegt und abgebaut wurde.
Abgesehen von der früheren Tunnelrampe sind die Gleise in der Bahnstraße noch fast vollständig erhalten und dienen heute als provisorischer Parkplatz.
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Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Kirchstraße / Königstraße - Rosendahl - Stadtmitte
Der letzte Schritt zum Stadtbahn-Vorlaufbetrieb auf der Straßenbahnlinie 102 erfolgte 1999 mit der Eröffnung des Ruhrtunnels zwischen der Haltestelle Königstraße der Linie 901 und Mülheim Hbf. Die Linie 102 erreicht die Tunnelstrecke über eine kurze neu verlegte Strecke durch die Prinzeß-Luise-Straße. Ebenfalls neu ist die Zufahrt vom Ende der Tunnelstrecke zum Betriebshof.
Stillgelegt wurden die alten Linienführungen der 102 zwischen Kirchstraße und Rosendahl und der 901 zwischen Königstraße und Rosendahl. Der restliche Streckenabschnitt zwischen Rosendahl und Stadtmitte wird seitdem nur noch als Betriebsstrecke für die Fahrzeuge der Straßenbahnlinien 104, 110 und 112 genutzt.
Vollständig abgebaut sind bisher nur das Gleis der 901 in der Duisburger Straße und die sehr komplexen Gleisanlagen an der Haltestelle Rosendahl. Fast unversehrt sind dagegen die ehemaligen Gleisanlagen der 102 im Haagerfeld und der Bülowstraße.
Auf der Betriebsstrecke Rosendahl - Stadtmitte ist bis heute das Vierschienengleis erhalten geblieben, was sich wohl erst mit der nächsten fälligen Gleiserneuerung ändern wird. Ebenso komplett sind die Gleisanlagen der ehemaligen Endhaltestelle Stadtmitte der Linie 901.
(Für weitere Fotos und Infos zur Betriebsstrecke zum Betriebshof siehe „Extrablatt”)
Stadtmitte
Der Versuch, die zahlreichen Veränderungen in Gleisbild und Linienführung im Mülheimer Stadtzentrum nachzuvollziehen, würde hier den thematischen Rahmen sprengen. Deshalb möchte ich hier nur kurz die zwei Streckenverlegungen schildern, die zur heutigen Linienführung in der Innenstadt führten.
Der stetig anwachsende Individualverkehr in der Nachkriegszeit führte schließlich in den 50er Jahren zum Durchbruch der Leineweberstraße als neue Hauptverkehrsachse. Die Mülheimer Straßenbahn verlegt ihre Strecke ebenfalls in die neue Straße. Für lange Zeit war diese Verbindung zwischen den beiden wichtigsten Umsteigepunkten, Stadtmitte und Kaiserplatz, das Herzstück des Mülheimer Straßenbahnnetzes.
Aufgegeben wurde dafür die Streckenführung durch die Schloßstraße, die ihrerseits erst in den 30er Jahren ausgebaut worden war. Dort erinnert seit der Umgestaltung zur Fußgängerzone nichts mehr an den früheren Straßenbahnbetrieb.
Die heutige Linienführung mit der Umfahrung des Kaufhofs durch Ruhr- und Schollenstraße entstand, als wegen des Baus der U-Bahn-Station Stadtmitte die Ausfahrt einer Tiefgarage in die Friedrich-Ebert-Straße verlegt werden mußte.
Gleislos ist seitdem der kurze Abschnitt zwischen der Kreuzung Stadtmitte und der Einmündung Schollenstraße. Gleichzeitig wurde die Endhaltestelle der Linie 901 aus der Schollenstraße zur zentralen Haltestelle Stadtmitte verlegt. Da seit Eröffnung des Ruhrtunnels auch die 901 unterirdisch verkehrt, ist ihre oberirdische Endstelle 1999 aufgegeben worden.
(Siehe auch: Bilderbogen „1 Stunde Stadtmitte”, Aktuelles Foto „Baustelle Stadtmitte”)
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Wie geht es weiter in Mülheim?
Angedacht ist derzeit, eine neue zentrale Haltestelle Stadtmitte in der Friedrich-Ebert-Straße zu errichten, und die Umfahrung des Kaufhofs aufzugeben.
Ein weiterer stadtbahnmäßiger Ausbau ist zumindest in der näheren Zukunft wohl nicht zu erwarten, so dass das Mülheimer Straßenbahnnetz vorerst in seiner derzeitigen Form weiter bestehen dürfte.

Der Linktip zum Thema: Tramtracks Webseite zur Gleisarchäologie im Ruhrgebiet .

Quellen:
BtMH:   90 Jahre Straßenbahn Mülheim an der Ruhr
Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 4 Ruhrgebiet



+/23.05.04