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Spurensuche I: Strecken-Stillegungen  
   
Wie wohl jeder Straßenbahnbetrieb ist auch die Mülheimer Straßenbahn im Laufe ihrer Geschichte nicht von Streckenstillegungen verschont geblieben. Besonders die Tendenz der Nachkriegszeit, die scheinbaren wirtschaftlichen Vorteile des Omnibusbetriebs überzubewerten, zeigten auch in Mülheim ihre Wirkung, wenngleich hier die vollständige Umstellung auf Busse glücklicherweise nie wirklich ernsthaft diskutiert wurde.
Viel Zeit ist vergangen seit Stillegung und Abbau der hier beschriebenen Strecken. Die Suche nach Spuren der baulichen Anlagen bleibt ohne greifbares Ergebnis. Übrig geblieben sind lediglich Haltestellennamen auf den heutigen Buslinien.
Wilhelmplatz - Kahlenberg
Die erste Stillegung im Mülheimer Straßenbahnnetz traf ein Teilstück der 1897 eröffneten ersten Mülheimer Straßenbahnlinie. Die 1911 eröffnete Strecke vom Wilhelmplatz zur Dimbeck - später verlängert zum Oppspring - verlief, etwas höher gelegen, fast parallel zur Kahlenbergstrecke. Diese verlor entsprechend an Verkehrsaufkommen und Bedeutung, bis sie zuletzt nur noch an Sonntagen im Ausflugsverkehr bedient wurde.
Die Stillegung erfolgte am 23.11.1931. Während des 2. Weltkriegs wurden dort noch Fahrzeuge vor Luftangriffen in Sicherheit gebracht; der endgültige Abbau erfolgte erst in der Nachkriegszeit.
Heute: Buslinie 151
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Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Friesenstraße - Raffelberg
Die 1917 eröffnete Strecke vom Bf Styrum zur Duisburger Straße, Einmündung Akazienallee war als Querverbindung zwischen zwei Stadtteilen eine Kuriosität im ansonsten völlig auf die Stadtmitte ausgerichteten Mülheimer Straßenbahnnetz. Allerdings war dies für die Mülheimer Straßenbahn die einzige Möglichkeit, den Stadtteil Speldorf zu erreichen, der ansonsten nur durch die Duisburger Straßenbahn bedient wurde.
Sonderlich wirtschaftlich war die Strecke, die zum großen Teil durch die unbesiedelte Ruhraue verläuft wohl nie. Ihre Stillegung erfolgte am 22.10.1966.
Heute: Buslinie 122
Stadthalle - Saarn
Der größte Einschnitt ins Mülheimer Straßenbahnnetz erfolgte am 05.05.1968 mit der Stillegung der 1911 eröffneten Strecke nach Saarn. Besonders die eingleisige Streckenführung durch den engen Saarner Ortskern stellte ein Problem dar, dessen Lösung bei Beibehaltung des Straßenbahnbetriebs eine aufwendige Streckenverlegung in die Straßburger Straße erfordert hätte. Zudem war bereits damals geplant, Saarn mit einer neuen, von der Haltestelle Waldschlößchen ausgehenden Strecke wieder an das Straßenbahnnetz anzuschließen.
So war es aus damaliger Sicht eine plausible Entscheidung, die Umstellung auf Busbetrieb zu vollziehen - nur dass eben bis heute die geplante Neubaustrecke nicht verwirklicht wurde und damit auf absehbare Zeit das eigentlich große Fahrgastpotential in Saarn nur unzureichend erschlossen wird.
Heute: Buslinien 132 / 133 / 752
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Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Verbindungen nach Oberhausen
Die Stillegung der Oberhausener Straßenbahn führte wegen der engen Verbindung der Netze auch auf Mülheimer Seite zu Betriebseinstellungen.
In Dümpten entfiel am 13.10.1963 die Verbindung von der Haltestelle Auf dem Bruch nach OB Wehrstraße, die seit Eröffnung der Neubaustrecke zur Talstraße im Pendelverkehr betrieben wurde.
Heute: Buslinie 124
In Styrum entfiel mit Einstellung der gemeinschaftlich betriebenen damaligen Linie 1 am 22.10.1966 das Streckenstück vom Bahnhof Styrum nach OB Grenzstraße.
Heute: Buslinie 122
Die dritte Verbindung zur Oberhausener Straßenbahn an der Landwehr überstand deren Stillegung zuerst unbeschadet. Noch für rund drei Jahre - bis zum 04.04.1971 - fuhr die Mülheimer Straßenbahn über die Landwehr hinaus bis zum Oberhausener Hauptbahnhof. Damit bedeutete diese letzte Stillegung der Mülheimer Straßenbahn gleichzeitig auch das Ende für den letzten Streckenabschnitt der alten Oberhausener Straßenbahn.
Heute: Straßenbahnlinie 112
Insgesamt ist die Mülheimer Straßenbahn - einmal abgesehen von der aus heutiger Sicht eher unglücklichen Umstellung der Saarner Strecke - anders als viele Betriebe ähnlicher Größe mit Stillegungen recht zurückhaltend geblieben.
Und zum Glück sind selbst so endgültig erscheinende Ereignisse wie die Stillegung und der Abbau von Strecken nicht immer unumkehrbar:

  • 1996 begann auf der Strecke Landwehr - Hauptbahnhof - Neue Mitte - Sterkrade wieder der Gemeinschaftsverkehr mit der neuen Oberhausener Straßenbahn.
  • Geplant ist die Verlängerung der Linie 105 von der Stadtgrenze Essen über die Neue Mitte Oberhausen zur Mülheimer Haltestelle Auf dem Bruch.
  • und selbst die Saarner Neubaustrecke ist, der angespannten finanziellen Situation und sich bildenden Bürgerinitiativen zum Trotz, noch immer Bestandteil zukünftiger Mülheimer Verkehrsplanung.
Der Linktip zum Thema: Tramtracks Webseite zur Gleisarchäologie im Ruhrgebiet .

Quellen:
BtMH:   90 Jahre Straßenbahn Mülheim an der Ruhr
Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 4 Ruhrgebiet



+/23.05.04