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Etwas Geschichte  
   

Die Duisburger Dampfstraßenbahn eröffnete 1888 ihre Linie von Duisburg über Speldorf nach Broich und damit das Straßenbahn-Zeitalter in Mülheim. Den Weiterbau bis in die Stadtmitte verhinderte damals die für einen Straßenbahnbetrieb nicht geeignete Kettenbrücke über die Ruhr.

Am 9. Juli 1897 wurden mit der Linie Kahlenberg - Rathausmarkt - Oberhausen und der am Rathausmarkt abzweigenden Linie zur Körnerstraße in Heißen Mülheims erste eigene Straßenbahnlinien in Betrieb genommen. Bereits 1898 wurde die Heißener Strecke bis zum Bürgermeisteramt (Heißen Kirche) verlängert. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Elektrifizierung der Duisburger Linie.

Ab dem 10.07.1900 stellte die neue Strecke Bf. Eppinghofen - Dümpten - Lipperheidebaum eine Verbindung zur Oberhausener Straßenbahn her. Diese Strecke hatte keinen Anschluss an das übrige Straßenbahnnetz, da hierfür eine niveaugleiche Kreuzung mit der Staatsbahn erforderlich gewesen wäre. Die Zuführung der hier eingesetzten Wagen zum Depot erfolgte über eine Betriebsstrecke durch die Aktienstraße, die nicht im Personenverkehr betrieben wurde.

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Für rund zehn Jahre beschränkte sich die Mülheimer Straßenbahn auf dieses Netz, bevor 1910 mit dem Umbau der Gleisanlagen des Eppinghofer Bahnhofs und dem Neubau der Schloßbrücke 1911 die großen Hindernisse für eine Erweiterung beseitigt waren. In rascher Folge wurden nun Strecken zur Anbindung der Stadtteile links der Ruhr und zur Erschließung neuer Wohngebiete gebaut.

Mit der Verbindung Kaiserplatz - Friedensstraße wurde 1910 der erste Abschnitt der Strecke Richtung Holthausen in Betrieb genommen. Im Herbst des gleichen Jahres entstand mit der Strecke Heißen - Stadtgrenze Essen eine Verbindung zur Essener Straßenbahn.

Mit der Eröffnung der neuen Ruhrbrücke wurden 1911 zwei neue Strecken nach Saarn und zum Waldschlößchen in Betrieb genommen und die Duisburger Straßenbahn in die Stadtmitte verlängert. Ebenfalls 1911 wurde mit den Abschnitten Friedensstraße - Hustadtstraße und Wilhelmsplatz - Dimbeck der Ausbau Richtung Holthausen vorangetrieben.

1912 wurde mit der Strecke Friedrich-Ebert-Straße - Aktienstraße - Grenze Borbeck eine weitere Verbindung zur Essener Straßenbahn geschaffen und die Strecke zum Waldschlößchen bis in den Uhlenhorst verlängert. Mit der Streckenverlängerung Hustadtstraße - Schmied Berger - Steinknappen wurde 1913 der vorläufige Endpunk in Holthausen erreicht.

Als letzte Erweiterung vor dem ersten Weltkrieg erfolgte 1917 die Inbetriebnahme der Strecke Bahnhof Styrum - Raffelberg. Die Strecke endete an der Einmündung in die Duisburger Straße, wo eine Umsteige-Möglichkeit zur Duisburger Linie bestand.

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Ab Mitte der 20er Jahre erfolgten in Holthausen die letzten größeren Erweiterungen des Mülheimer Straßenbahnnetzes. Dem 1924 in Betrieb genommenen Abschnitt Steinknappen - Hauptfriedhof folgten 1927 die Verlängerung bis zur Windmühlenstraße und 1928 das Reststück bis zur Endstelle am Flughafen. Im gleichen Jahr wurde mit Eröffnung des Abschnitts Dimbeck - Oppspring auch die zweite Strecke nach Holthausen fertiggestellt.

Aber auch die erste Stillegung fällt in diese Zeit. Auf der Strecke Kahlenberg - Wilhelmsplatz, einem Teilstück der ersten in Betrieb genommenen Mülheimer Straßenbahnlinie, endete am 23.11.1931 der Betrieb. Die Gleisanlagen blieben jedoch vorerst erhalten und wurden noch im zweiten Weltkrieg genutzt, um Fahrzeuge bei Bombenangriffen in Sicherheit zu bringen.

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Die Nachkriegszeit stand anfangs vor allem im Zeichen der Beseitigung der Kriegsschäden. Aber bereits Anfang der 50er Jahre begann die Modernisierung der Mülheimer Straßenbahn. Den Auftakt machte die Eröffnung der neu gebauten Strecke Auf dem Bruch - Talstraße in Dümpten. Viele Haltestellen wurden modernisiert und die Gleisanlagen in der Stadtmitte und am Kaiserplatz durch die Verlegung der Strecken in die neue Leineweberstraße komplett umgestaltet.

Der Aufbruchstimmung folgte, wie vielerorts, die Ernüchterung in den 60er Jahren. Durch den zunehmenden Autoverkehr wurde die Straßenbahn oft als Verkehrshindernis definiert und im öffentlichen Nahverkehr erwuchs mit dem Autobus ein ernsthafter Konkurrent.

Die schrittweise Aufgabe der Oberhausener Straßenbahn zugunsten eines reinen Busbetriebs führte in Mülheim zur Stillegung der Strecken Auf dem Bruch - OB-Wehrstraße (1963) und Bahnhof Styrum - OB-Grenzstraße (1966). Als letzte Straßenbahnverbindung mit Oberhausen verblieb bis 1971 die von der Mülheimer Straßenbahn betriebene Strecke Landwehr - OB Hauptbahnhof.

Aber auch Mülheims eigene Strecken blieben nicht verschont. 1966 wurde in Styrum das Teilstück Friesenstraße - Raffelberg aufgegeben. Der größte Einschnitt ins Mülheimer Straßenbahnnetz erfolgte 1968 mit der durch beengte Straßenverhältnisse erzwungenen Umstellung auf Busbetrieb auf der Strecke nach Saarn.

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Die 70er Jahre brachten dem Ruhrgebiet und damit auch der Stadt Mülheim ein neues Verkehrsmittel. Das Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr, das zwischen Dortmund und Düsseldorf für viele Straßenbahnlinien die Umstellung auf U-Bahn- bzw. Stadtbahn-Betrieb vorsah.

Als Versuchsstrecke wurde die Verbindung Essen - Heißen Kirche - Mülheim Hbf ausgewählt. 1974 wurde die bestehende Straßenbahn zwischen Heißen Kirche und Essen eingestellt. Die Neueröffnung als Stadtbahnstrecke erfolgte am 28.05.1977. Zwei Jahre später, am 04.11.1979, erfolgte die Inbetriebnahme des Abschnitts MH Hauptbahnhof - Heißen Kirche und damit die Stillegung der Straßenbahnlinie nach Heißen, die zu den 1897 eröffneten ersten Mülheimer Strecken zählte.

Der weitere Ausbau zur Stadtbahn verlief in Mülheim sehr zögerlich. 1983 wurde für die Straßenbahn durch die Bahnstraße eine Zuführung in den U-Bahnhof MH Hauptbahnhof eröffnet, 1985 folgte dann die Tunnelstrecke Hauptbahnhof - Buchenberg, die Bestandteil der seinerzeit geplanten Stadtbahnstrecke Richtung Oberhausen war. Gleichzeitig wurde der oberirdische Abschnitt Kaiserplatz - Buchenberg, ein Teil der Streckenerweiterung von 1900, stillgelegt.

Aber auch an den Straßenbahnlinien wurde in dieser Zeit gebaut. 1984 wurde in Dümpten die Streckenverlängerung von der Talstraße nach Oberdümpten in Betrieb genommen. In der Stadtmitte erfolgte 1988 die Streckenverlegung in die Ruhrstraße, die durch den im gleichen Jahr erfolgten Baubeginn zur Untertunnelung der Ruhr erforderlich wurde.

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28 Jahre nach Einstellung des eigenen Straßenbahnbetriebs und 25 Jahre nach Aufgabe der letzten Mülheimer Linie eröffneten die Stadtwerke Oberhausen ihre erste neu erbaute Straßenbahnlinie. Diese verläuft, in Verlängerung der Mülheimer Linie 112, von der Stadtgrenze Landwehr über Oberhausen Hbf und die Neue Mitte (CentrO) bis zum Bahnhof Sterkrade. Die Betriebsleitung und die Unterhaltung der Oberhausener Straßenbahnwagen erfolgt derzeit durch die Mülheimer VerkehrsGesellschaft.

Als vorerst letztes der im Rahmen der Stadtbahn Rhein-Ruhr geplanten Projekte wurde 1999 der Ruhrtunnel Rosendahl - Stadtmitte - Mülheim Hbf in Betrieb genommen. Dieser wird von der meterspurigen Linie 102 und der normalspurigen Duisburger Linie 901 befahren, wobei für beide Spurweiten jeweils ein eigenes Schienenpaar verlegt ist. Die erst 1983 erbaute Strecke Rathausmarkt - Hauptbahnhof wurde danach wieder aufgegeben und die Tunneleinfahrt verschlossen. Die oberirdische Strecke Stadtmitte - Schlossbrücke - Rosendahl wurde im Personenverkehr stillgelegt und dient heute nur noch der Zufahrt vom Betriebshof zu den Straßenbahnlinien rechts der Ruhr.

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Mit dem 31.08.2002 endete die Geschichte der Mülheimer Straßenbahn als Eigenbetrieb der Stadt. Zum 01.09.2002 wurde der gesamte ÖPNV in Mülheim an der Ruhr von der neu gegründeten Mülheimer VerkehrsGesellschaft mbH übernommen.

Im Zeichen der wachsenden Kooperation der Verkehrsbetriebe in Mülheim, Essen und Oberhausen wurden am 13.06.2003 die Verträge zur Gründung der Fahrbetriebsgesellschaft Meoline unterzeichnet, die zum 01.01.2004 Durchführung des ÖPNV in der MEO-Region übernommen hat.

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Quellen:
BtMH:   90 Jahre Straßenbahn Mülheim an der Ruhr
Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 4 Ruhrgebiet



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